Schuh-Einlagen – oder wie Sie Ihre Füße schädigen

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Lieber Leser,

meine Vortragreihe „Füße – Basis Deines Lebens“ ist in diesem Monat erfolgreich gestartet. Zahlreiche Teilnehmer sind erstaunt, fasziniert und empört zugleich, über das, was unsere Füße alles können und was Ihnen vielmals von uns und der Industrie angetan wird. Ein Thema, welches die Zuhörer immer wieder schockiert, ist die Problematik „Schuh-Einlagen“. Daher habe ich mich entschlossen im Monat Mai meinen Blog-Beitrag diesem Thema zu widmen.

Umfragen zufolge, die wir in unserem Zentrum für Fußgesundheit Schmalkalden durchgeführt haben, tragen ca. 70 Prozent der über 40-Jährigen in Deutschland Schuheinlagen oder haben bereits Einlagen getragen. Die Einlagen wurden hierbei entweder von einem orthopädischen Schuhmacher angefertigt oder die Personen haben sich einfach eine Einlage im freien Handel gekauft. (Anmerkung: Im wissenschaftlichen Sinne gilt es eine Schuheinlage konkret von einer Sohle zu unterscheiden, dies möchte ich in diesem Beitrag allerdings nicht konkretisieren.)

Einlagen liegt der Gedanke zugrunde: Die Füße tragen das Körpergewicht. Dies ist definitiv falsch! Die Füße tragen nicht unser Körpergewicht, sondern übertragen es auf, bzw. leiten es in den Boden ab. Demzufolge benötigt man sinnvollerweise auch keine Stütze von unten, sondern eine Übertragungshilfe von oben. Als Beispiel stelle man sich die Golden Gate Bridge in San Francisco vor; hier stabilisieren die Seile von oben die Brückenelemente. Auch in meiner Ausbildung zum Podo-Orthesiologen und Osteopathen wurde gelehrt, dass primär die Muskulatur unseren Fuß stabilisiert. Ist also die Muskulatur optimal funktionsfähig, kann auch das Körpergewicht über die Füße optimal auf den Boden übertragen werden. Sind die Muskeln allerdings verspannt (hyperton), wie häufig beim Hohlfuß, oder zu schwach (hypoton), wie häufig beim Senk- oder Plattfuß, resultiert dies in Problemen bei der Körpergewichts-Übertragung auf den Boden. Und diese Probleme können sich im gesamten Körper bemerkbar machen, sozusagen von Kopf bis Fuß. Nicht behandelte Fußproblem können z.B. zu Kieferfehlstellungen oder zu dem sogenannten Hallux valgus (Schiefstand der Großzehe) am Fuß führen.

Neben diesem falschen und gefährlichen Grundgedanken über die Funktion des Fußes, passiert der nächste Fauxpas, bei der Vermessung der Füße. So nehmen viele orthopädische Schuhmacher einen Fußabdruck im Stand, einen sogenannten statischen Fußabdruck. Dies ist auch OK, wenn der Schuh nur im Stand benutzt wird, also ein Standschuh ist – soll es ja für diverse Veranstaltungen geben. Sollten Sie jedoch mit diesem Schuh gehen oder sogar rennen wollen, benötigen Sie einen dynamischen Fußabdruck, also aus dem Gang heraus. Denn der statische und dynamische Abdruck unterscheiden sich zuweilen signifikant. In der Abbildung sehen Sie einen Abdruck von ein und derselben Personen im Stand (rechts) und im Gang (links).

Fußabdruck
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Fußabdruck

 

 

 

 

 

 

 

Nicht nur die Belastungszonen, (dunkelblau dargestellt), sondern auch die Fußlänge verändert sich. Demgemäß ist es auch nachvollziehbar, dass Einlagen dem einen helfen und dem anderen nicht. Und zwar helfen sie, wenn der statische dem dynamischen Fußabdruck ähnlich ist, und sie helfen logischerweise nicht, wenn sich der statische vom dynamischen Abdruck gravierend unterscheidet. Achten Sie also bei der Einlagen-Anfertigung auf den korrekten Abdruck.

Neben diesen beiden schwerwiegenden Fehlern über Schuh-Einlagen, gibt es noch einige andere mehr, über die ich in meinen Vortragen berichte. Ein Tipp zum Schluss: Anstatt Einlagen zu kaufen, gehe lieber öfter barfuß.

Matthias Engel

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